Der erste Sandsteinbruch

(Lage zwischen Bernstrasse, Rörswilstrasse und Hättennberg)

Seit dem 15. Jahrhundert wurde in der Stadt Bern und in der Umgebung der Name Ostermundigen viel genannt wegen seiner Steingrube und im 19. Jahrhundert, als sich hier der grösste Sandsteinbruch unseres Landes befand, war in der ganzen Schweiz und über die Grenzen hinaus von Oster-mundigen die Rede.
Der älteste urkundliche Hinweis auf die Steinbrüche Ostermundigen, stammt aus der Zeit, als man die Hochmauern des Münsters baute, dessen Grundstein im Jahre 1421 gelegt wurden.
Der bernische Rat erliess am 5. November 1481 folgenden Befehl:
„An die von Bollingen und Muri, das Gestein zu Ostermundingen Sanct Vincentzen harin ze füeren“ (das Münster war dem heiligen Vinzenz geweiht).
Notar Schellhammer schrieb 1719 , man habe seit 1703 aus dem „Eyngeweid“ des dem „Jukerberg“ (Ostermundigenberg) anhangenden Hügels (Hättenberg)“etliche 100 000 Fuder Steinen, welche die schönsten im gantzen Land, in die Stadt geführt“
Wenn man auch zur angegebenen Fuderzahl ein kräftiges Fragezeichen setzen muss, so beweist doch dieser Bericht die grosse Bedeutung der Grube und das Ansehen, dass ihre Steine genossen.

Die neue Steingrube südlich der Bernstrasse

Im Sommer 1736 musste der bernische Rat davon Kenntnis nehmen, dass „die Steingruben zu Ostermundigen,wo der Kirchenbank ist , zu end rücke“(dort war zu dieser Zeit das beste Gestein, dass für den Kirchenbau und die obrigkeitlichen Gebäude vorbehalten war). Schon 1737 fand man eine geeignete Stelle und zwar „nächst bey der bisharigen Steingruben des sogenannten Kirchenbanks, grad änethalb der Theissweiler-Sraass, unden am eggen des daselbst stehenden Waldes (beim heutigen Steingrübliquartier, dort wo die letzten zwei Jahre Madame Bissegger mit ihrem Theater gastierte).
Hier entstand nun der zweite grosse staatliche Ostermundigen-Steinbruch, aus dem bis Mitte 19.Jahrhundert grösstenteils der Sandstein für Bauten in der Stadt Bern gewonnen wurde.
In der alten Steingrube wurde anfangs noch blauer Sandstein für Platten gebrochen, später aber, diente sie als Schutt-ablagerungsstätte.
Sie wurde immer mehr zugeschüttet und so ist es nicht verwunderlich, dass von dem berühmtesten Steinbruch des alten Bern heute nur noch so wenig zu sehen ist.
Nur die obersten Teile einiger Abbruchwände ragen noch über die Auffüllung heraus (in der Umgebung des heutigen Pfadiheims)
Das fehlen von genügend Arbeitern sowie die Lagerung des Schutt‘ s wurde aber auch in der neuen Steingrube bald ein Problem und es musste wiederum eine „Räumungsaktion“ durchgeführt, der unterirdische Gang „zu Abfluss des Wassers in die Deisswylstrass“ verbessert und ein weiterer Radzug angeschafft werden.
Heute sieht man von der damaligen Steingrube nicht mehr sehr viel, weil ein seither aufgeschütteter Schutzwall die Sicht verdeckt. Zudem ist nur noch ein Einschnitt als Zugang vorhanden, der aber seit langem gesperrt ist, denn die Eidgenossenschaft hat im Jahre 1911 das seit über 40 Jahren verlassene Steinbruchareal gekauft und hier Magazine für die Kriegspulverfabrik Worblaufen eingerichtet. Seither dient es der Waffenfabrik (heute RUAG) als Lagerraum

Vom Steinbruch zur Siedlung

In der alten Steingrube liessen sich immer mehr Steinbrecher nieder und begannen, die Schutthügel zu bepflanzen.
So entstand eine Siedlung die ein seltsames Bild bot, wie die Schilderung in einer Chronik (1716) zeigt:
„ Aus den unnützen Mutten und aussgeworffnen Sand und Abgang, machen diese leüt früsche und neüwe Gärten und kleine Hostetlin mit beümen bepflanzet, machen anstatt der Zäünen von den Steinen höche Mürlin darum und heüffen neüwe Hügelin zusamen“.
Die Siedlung hiess lange Zeit „Steingrube“ und erst auf der Neuausgabe 1926 der Sigfriedkarte, als der Name Steingrube längst an die grossen Brüche am Ostermundigerberg übergegangen war, erscheint „Steingrüebli“.

Die Steinbrüche auf dem Ostermundigenberg

Während die alten Steinbrüche an der Bernstrasse in der Hand des Staates lagen, waren die Steinbrüche auf dem Ostermundigenberg im Besitz der Holzgemeinde Oster-mundigen.
„Der Niklaus Blank könne die nötigen Steinen zu seinem neuen Haus bey der Hubelholen aussen brechen lassen“, steht im Protokoll der Holzgemeinde vom 2.März 1827:
Am Holzweg in der „Holen“ (Hohlweg) oberhalb des Hubels, wo Sandstein zutage trat, wurde also einem Gemeindegenossen erlaubt, den zu seinem Hausbau nötigen Sandstein im gemeinschaftlichen Wald zu brechen.
Es muss dort gutes Material zum Vorschein gekommen sein und es blieb deshalb nicht bei einer einmaligen Steingewinnung.
Im Jahr 1865 hat die Holzgemeinde dem Gesuch der Firma Glauser & Co. entsprochen, zwischen den zwei Steinbruchparzellen (diese waren jeweils verschiendenen Besitzern zugeteilt) einen Durchbruch zu erstellen, damit die gehauenen Stücke aus dem oberen in den unteren Steinbruch gebracht und dort verladen werden konnten.
Später sind der obere und der untere Bruch durch Abbruch weiterer Bänke zu einem einzigen vereinigt worden.

Die Steinbruchbahn und das langsame Ende der Steinbruchgesellschaft Ostermundigen

Ebenfalls im Jahr 1865 wurde die „Aktiengesellschaft für die Steinbrüche Ostermundigen“ gegründet, dies weil nur ein grosses und florierendes Unternehmen in der Lage war, die Kosten für die Steinbruchbahn zu tragen, die bereits 1864 der Firma Glauser &Co. bewilligt worden war.
Im Herbst 1871 nahm die Steinbruchbahn ihren Betrieb auf.
Sie war die „erste gemischte Zahnradbahn der Welt“ (die Lokomotive konnte sowohl auf ebener Strecke, wie auch am Berg eingesetzt werden.
Sie und auch die moderne Verladeeinrichtungen (Dampfkran ) trugen dazu bei, dass der Steinbruch nach der Baukrise , verursacht durch den Deutsch-Französischen Krieg einen neuen Aufschwung erlebte.
Das Jahr 1874 wird als Spitzenjahr bezeichnet allerdings folgte daraufhin bald ein Niedergang, der in den Jahren 1883/84 seinen Tiefststand erreichte.
Der grossbetrieblich ausgebeuteten Berner Sandstein erwies sich als zu wenig dauerhaft und dazu kamen vermehrt neue Baumaterialien wie Backstein, Kunststein und Beton auf den Markt, die den Sandstein konkurrierten.
Ein zweiter Höhepunkt erlebte der Steinbruch während des Baus des Parlamentsgebäudes in Bern.

Danach ging es aber rasch dem Ende entgegen:

1901: Kündigung des Ausbeutungsvertrages der AG mit der Holzgemeinde
1902: Endgültige Einstellung des Bahnbetriebes. Die Geleise wurden sofort abgebrochen und verkauft. (heute ist nur noch der Einschnitt der Zahnradstrecke am Hang teilweise zu sehen)
Als die Steinbrecherei ihre einstige grosse Bedeutung verloren hatte und der Sandstein auf dem Areal ohnehin grösstenteils ausgebeutet war, kam die Holzgemeinde zum Entschluss, ihren gemeinsamen Besitz zu verkaufen und sich aufzulösen.
Käufer war der Staat, der den Steinbruch bis 1966 an die Firma Kunststein- und Steinhauerfirma K.Schürmann verpachtete und seither der Kunststeinfabrik C. Bernasconi in Bümpliz.
Die Steinbrecherei wird immer noch weitergeführt, allerdings heute mit modernen Maschinen und nur noch im kleinen Ausmass, vorallem für Gebäuderenovationen in der Stadt.